Rettet die Nachtzüge und den Autozugverkehr!


+++ Mittwoch, 24. September 2014, 14 Uhr: Kundgebung gegen drohende Streichung der Nachtzüge vor dem Bahntower, Potsdamer Platz, Berlin +++ 12 Uhr Bundespressekonferenz: Drohende Abschaffung der Nachtzüge sowie alternative Konzepte zum Ausbau dieser Verkehre+++


Die Bahn hat angekündigt, ihre Autozüge und wichtige Nachtzugverbindungen noch in diesem Jahr einzustellen - obwohl beide gut ausgelastet sind, vor allem für die Fahrt ins europäische Ausland. Nachtzüge gibt es in Deutschland seit 1852. Autoreisezüge seit 1930. Diese Eisenbahnangebote sind klassische Bestandteile der Eisenbahn. Wer diese aufgibt oder gefährdet, der leistet einen weiteren Beitrag dazu, dass der Schienenverkehr substantiell geschwächt wird. Deshalb appellieren wir an die Kanzlerin Merkel und Bahnchef Grube: Die Angebote des Schienenverkehrs müssen erhalten werden!


Der Appell wurde bereits von über 60 Menschen aus Politik, Kultur und Wissenschaft unterzeichnet.


Zum vollständigen Appell "Rettet die Nachtzüge und den Autozugverkehr"

An

Frau Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Herrn Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn AG
Herrn Martin Burkert, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur des Deutschen Bundestags
Herrn Michael Cramer, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Europaparlaments
Frau Michaela Rosenberger, Herrn Alexander Kirchner und Herrn Claus Weselsky als jeweilige Vorsitzende der bei der Bahn aktiven Gewerkschaften NGG, EVG und GDL

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin! Sehr geehrte Damen und Herren!

Seit sechs Jahrzehnten – seit Gründung der EWG – wird versprochen: „Europa wächst zusammen“. Seit zwei Jahrzehnten – seit der Bahnreform – gilt „Vorrang Schiene“. Seit knapp einem Jahr – seit Beschluss des Koalitionsvertrags – proklamiert die Bundesregierung: „Den Verkehrsträger Schiene wollen wir weiter stärken und ausbauen.“

Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Der Fernverkehr auf der Schiene stagniert seit 1994. Gleichzeitig wuchs der Inlandsflugverkehr um 60 Prozent. Grenzüberschreitende Schienenverkehre werden eingestellt. 2014 wurde das Aus für den Autoreisezugverkehr verkündet. Bis Ende 2014 werden wichtige Nachtzugverbindungen eingestellt. Zusammen mit der Ankündigung weiterer Kappungen von Nachtzugverbindungen erscheint die Zukunft des gesamten Nachtzugverkehrs gefährdet.

Diese Entwicklungen stehen in offenem Widerspruch zu den zitierten Proklamationen. Das Grundgesetz verpflichtet mit Artikel 87e dazu, „den Verkehrsbedürfnissen […] Rechnung [zu] tragen“. Wenn Züge, wie im Fall der Autoreisezüge und der Nachtzüge, einen rund doppelt so hohen Auslastungsgrad wie die übrigen Fernverkehrszüge haben und wenn diese darüber hinaus oft ausgebucht sind, dann liegt hier offensichtlich ein besonderes „Verkehrsbedürfnis“ vor.

Nachtzüge gibt es in Deutschland seit 1852. Autoreisezüge seit 1930. Diese Eisenbahnangebote sind demnach klassische Bestandteile der Eisenbahn. Wer diese aufgibt oder gefährdet, der leistet einen weiteren Beitrag dazu, dass der Schienenverkehr substantiell geschwächt wird.

Wir begrüßen die Aktivitäten, die die Beschäftigten und die Belegschaftsvertretungen der dadurch betroffenen Tochter der Deutschen Bahn AG, der DB ERS (DB European Railservice), zur Verteidigung von Autoreisezug und Nachtzug und der bis zu 1000 bedrohten Arbeitsplätze ergriffen haben.

Wir appellieren an Sie: Unternehmen Sie alles in Ihren Kräften Stehende, um den drohenden Kahlschlag bei den Schienenverkehrsangeboten zu verhindern!

Anm. der Appell-Koordination: 1994 gab es 139 Millionen Fahrgäste im Schienenpersonenfernverkehr. 2013 waren es 130,9 Millionen. Im Nachtzugverkehr (CNL) gab es – im Gegensatz zu dem von der DB behaupteten Fahrgastrückgang – einen Anstieg der beförderten Personen von 1,498 Millionen im Jahr 2003 auf 1,560 Millionen im Vorjahr (2013).

Die letzten Autozüge der DB nach Österreich fahren vom 28. bis 30.9.2014 von Hamburg und Düsseldorf nach Innsbruck und Villach und zurück. Die letzten Autozüge nach Frankreich und Italien – letzte Autozüge ins Ausland überhaupt gemäß der DB-Pläne – fahren vom 24. bis 26.10.2014 ab Hamburg und Düsseldorf nach Narbonne und Alessandria und zurück. Die Nachtzüge ab Berlin, Hamburg und München nach Paris fahren letztmals zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2014. Die zunächst für diesen Termin vorgesehene Einstellung der Nachtzüge ab Amsterdam, Basel und Prag nach Kopenhagen wurde von der DB kurzfristig auf Ende Oktober 2014 vorverlegt.

Ab Dezember 2014 soll auf der Fernverkehrsverbindung Berlin - Wrocław (Breslau) der EC Wawel eingestellt werden. Zwischen München und Prag bietet die DB Konkurrenzverkehr mit ihren IC-Bussen zu den vier Fernzugpaaren der tschechischen Staatsbahn CD und der Eisenbahngesellschaft Alex. Auf den Relationen Nürnberg - Prag und München - Prag stellte die Deutsche Bahn AG bereits vor mehreren Jahren die eigenen EC-Verkehre ein.

Koordination des Appells: Bahn für Alle (BfA) – Dr. Winfried Wolf.

Weitere Infos:
Bahn für alle
Autoreisezüge haben Zukunft 

Liste der Erstunterzeichnenden:
(Stand: 22. 9. 2014; 16.00 Uhr)

Prof. Dr. Elmar  Altvater, Berlin

Rolf Becker, Schauspieler, ver.di FB Medien, OVV Hamburg

Prof. Dr. Armin Bernhard, Erziehungswissenschaftler

Prof. Dipl.-Ing. Karl-Dieter Bodack, M.S., Gröbenzell

Thilo Böhmer, Rodgau , Lokführer

Prof. Dr. Horst Bosetzky, Berlin, Schriftsteller

Udo Buchholz, Gronau, Soziologe, BBU-Vorstandsmitglied (Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz) 

Eva Bulling-Schröter, Ingolstadt, MdB, Sprecherin für Energie- und Klimapolitik Bundestagsfraktion DIE LINKE

Peter Conradi, Stuttgart, 1972 bis 1998 Bundestagsabgeordneter

Dr. Christian Christen, Wirtschaftswissenschaftler und Publizist, Berlin

Prof. Dr. Alex Demirovic, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Prof. Dr. Ulrich Duchrow, Vorsitzender Kairos Europa

Dr. Christoph Engelhardt, Initiator der Faktencheck-Plattform WikiReal.org, BSB

Prof. Dr. Tim Engartner, Frankfurt am Main

Dr. Torsten Ehrke, Berlin, Bundesvorsitzender GRÜNE LIGA e.V.

Leslie Franke und Herdolor Lorenz, Hamburg, Filmemacher („Bahn unterm Hammer“)

Matthias Gastel, MdB, Filderstadt, Bahnpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion BÜNDNIS´90/DIE GRÜNEN

Klaus Gietinger, Regisseur (u.a. „Tatort“) und Buchautor

Eberhard Happe Bundesbahndirektor a. D. Dipl.-Ing.

Johannes Hauber, Mannheim; President Industrial Railway Committee

Prof. Dr. Frigga Haug, Esslingen, Vorsitzende des Berliner Instituts für Kritische Theorie (InkriT), Geschäftsführerin des Argument-Verlags

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Fritz Haug
Wissenschaftlicher Leiter des Berliner Instituts für kritische Theorie (InkriT)

Claudia Haydt, Tübingen, Mitglied im Vorstand der Europäischen Linken

Roman Hebenstreit, Wien, Vorsitzender der Sektion Verkehr der Gewerkschaft vida; Zentralbetriebsratsobmann der Österreichischen Bundesbahnen - ÖBB

Prof. Dr.-Ing. Helmut Holzapfel, Universität Kassel

Prof. Dr. Wolfgang Hesse, München

Rasmus Hoffmann, Dr. habil., Senior Research Fellow, European University Institute, Florenz

Andreas Kegreiß, Stuttgart, Dipl.-Ingenieur (BA), Mitglied Bürgerbahn statt Börsenbahn – BSB

Andreas Kleber, Schorndorf, Mitbegründet der „Horber Schienentage“; Pro Bahn Baden-Württemberg

Dr. Bernhard Knierim, Berlin, Buchautor,

Dr. Harald Klimenta, Autor

Prof. Dr. Clemens Knobloch, Universität Siegen, Wiss. Beirat attac

Professor Hermann Knoflacher, Wien, Verkehrsexperte, Buchautor und Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste

Ebbe Kögel, Stetten im Remstal, Pressesprecher von K21 Kernen - Verein zur Förderung eines zukunftsfähigen Öffentlichen Personennahverkehrs

Thomas Kraft, Vorsitzender PRO BAHN Landesverband Hessen

Sabine Lacher PRO BAHN Regionalverband Region Stuttgart

Sabine Leidig, Hanau, MdB, Sprecherin für Verkehr der Bundestagsfraktion DIE LINKE

Prof. Dr. Ingrid Lohmann, Universität Hamburg

Volker Lösch, Regisseur, Berlin

Arno Luik, Autor

Prof. Dr. Mohssen Massarrat, Wissenschaftlicher Beirat IPPNW

Prof. Dr. Klaus Meschkat, Hannover

Dr. Lutz Mez, Privatdozent und Koordinator des Interdisziplinären Zentrums BC CARE der FU Berlin

Dipl.-Ing. Dr. phil. Wolfgang Neef, Lehrbeauftragter an der TU Berlin und der TU Hamburg-Harburg

Dr. Silke Ötsch, Innsbruck

Gerd Siebecke, Hamburg; VSA: Verlag Geschäftsführer VSA Verlag; Redakteur von „Sozialismus“

Walter Oswalt, Walter-Eucken-Archiv Frankfurt am Main

Tobias Pflüger, stellvertretender Vorsitzender DIE LINKE

Prof. Rainer Rilling, Universität Marburg, Soziologe Wissenschaftlicher Beirat der Rosa Luxemburg Stiftung

Prof. Jürgen Rochlitz, Burgholz-Eder

Hanns-Jörg Rohwedder, Düsseldorf, MdL, Piratenfraktion, Stellvertretender Parlamentarischer Geschäftsführer

Dr. Werner Rügemer, Publizist, Lehrbeauftragter an der Universität zu Köln, Infrastrukturexperte, Wissenschaftlicher Beirat Attac

Thomas Rumpf, Vorsitzender ADFC-Kreisverband Esslingen

Dr. Thomas Sablowski, Berlin/Frankfurt am Main, Wissenschaftlicher Beirat Attac

Christoph Scherrer, Berlin

Wolfgang Staiger, PRO BAHN Regionalverband Region Stuttgart

Clarissa Seitz, Stadträtin Bündnis 90/DIE GRÜNEN Stuttgart

Walter Sittler, Stuttgart, Schauspieler

Prof. Dr. Herbert Schui, Hamburg; ehem. Bundestagsabgeordneter

Roland Schuster, Mannheim, stellv. Betriebsratsvorsitzender Bombardier Transportation; IG Metall

Peter Strotmann, Berlin; Redaktion „Sand im Getriebe –SiG“

Dr. Regina Viotto, ver.di Fachbereich Finanzdienstleistungen, Hannover

Peter Wahl, Vorsitzender WEED - Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung e.V.

Prof. Isidor Wallimann, PhD; Basel und Syracuse University, USA

Dr. Winfried Wolf, Wilhelmshorst, Autor