Bewerbung um eine LINKE Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl 2013

Liebe Genossinnen und Genossen,

2009 haben mich die Delegierten der Vertreterversammlung der LINKEn in Hessen auf Platz eins der Landesliste für die Bundestagswahl gewählt.
Damals war ich Bundesgeschäftsführerin von Attac, noch parteilos und aus Baden-Württemberg. Inzwischen wohne ich in Hanau und habe damit nicht nur eine politische, sondern auch eine örtliche Heimat in der Partei gefunden. Ich bin stellvertretende Kreisvorsitzende der Partei DIE LINKE. Main-Kinzig
und wurde als Direktkandidatin für die Bundestagswahl im Wahlkreis 180 (Hanau) aufgestellt.
Nun bewerbe ich mich erneut um den ersten Platz als Spitzenkandidatin auf der Landesliste für DIE LINKE. Hessen zur bevorstehenden Bundestagswahl. Ich möchte gerne meine Arbeit als Abgeordnete weitere vier Jahre für die LINKE konstruktiv und wirkungsvoll fortsetzen und meine Erfahrungen nutzbar machen. 

Die erarbeiteten Möglichkeiten nutzen

Nach einem anfänglichem „Kulturschock“ im Bundestagsapparat, verstehe ich es inzwischen, die unterschiedlichen Sphären zu verbinden: den Protest und die Alternativen im außerparlamentarischen Raum mit der parlamentarischen Bühne und den Ressourcen meines MdB-Büros. Ich will die Linksfraktion nicht nur als „Stachel im Fleisch“ der anderen Parteien, sondern auch als Unterstützer sozialer Bewegung und als wichtige „Werkstatt“ für Kompetenz auf vielen Feldern. 
Mein spezieller Beitrag als verkehrspolitische Sprecherin sind Konzepte für solidarische Mobilität. Es geht um sozialökologische Alternativen zur herrschenden Verkehrspolitik, die noch vom Wachstumswahn der Beton- und Öl-Mächtigen geprägt ist. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Bahn, die weder durch Wettbewerb besser wird (wie FDP und Bündnis90/Die Grünen meinen), noch als „Global Player“ (was CDU/CSU und SPD forciert haben). Unser Ziel ist es, die Bahnreform von 1994 zu revidieren und die DB als bürgerfreundliche Flächenbahn am Allgemeinwohl auszurichten.
Ich habe der LINKEn für dieses Politikfeld „einen Namen gemacht“, zahlreiche Verbindungen zu hilfreichen Fachleuten, Organisationen, Aktiven aufgebaut und die Vernetzung in den eigenen Reihen voran gebracht. Auf dieser Grundlage will ich weiter machen.

Das sozialökologische Profil der LINKEn schärfen

Der Kapitalismus stützt sich nach Karl Marx auf die „Vernichtung der Arbeit und der Erde“. Man darf die Ökologie nicht den Grünen überlassen, sondern sie gehört zur linken Systemkritik. Der Umgang der Menschen mit der Natur ist im eigentliche Sinne eine soziale Angelegenheit; also abhängig von der gesellschaftlichen Arbeits- und Produktionsweise, von Kultur und Politik, von Interessen, Eigentums- und Kräfteverhältnissen. Nicht technologische Innovation ist der Schlüssel zum nachhaltigen Wirtschaften, sondern soziale Erneuerung.
Die Frage „wie wollen wir leben und arbeiten?“ soll nicht rhetorisch, sondern mit wirklichem Einfluss verbunden sein. Eine deutlich gerechtere Verteilung von Vermögen, Einkommen und Arbeitszeiten sind ebenso zwingende Elemente eines nachhaltigen Wirtschaftsmodells, wie globale (Umwelt)Gerechtigkeit und die Demokratisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. 
Es ist mir ein Anliegen, dass das Problem des Ausplünderns von Rohstoffen und der Zerstörung von Lebensräumen weltweit, in unseren Konzepten und Forderungen nicht ausgeblendet wird. 

Den Kurs der Parteivorsitzenden und den Parteiaufbau unterstützen 

Die gesellschaftliche Linke ist bunt, die jeweilige Praxis und die politischen Kulturen können sehr unterschiedlich sein – das gilt auch für unsere Partei. Ich gehöre keiner der Strömungen an, aber ich bin auch keine „Einzelkämpferin“. Es liegt mir viel daran, gemeinsam an gesellschaftpolitischen Anliegen und Projekten zu arbeiten – auch wenn es nicht in allen Fragen Übereinstimmung gibt.
Die beim Göttinger Parteitag gewählte Parteiführung prägt einen guten Stil, den ich nach Kräften unterstütze: miteinander, statt übereinander reden; Klarheit der Standpunkte und offene Debatten; nicht kleinste Kompromisse, sondern möglichst beste Lösungen suchen; respektvoller Umgang, Transparenz und Beteiligung, und Freundlichkeit– denn auch „der Ton macht die Musik“. 
Beim Aufbau, der Stabilisierung von Strukturen und beim „Reifeprozess“ unserer Partei will ich weiter mithelfen. Die Organisationsentwicklung von Attac begleitete ich intensiv und habe dabei viel gelernt.
Schließlich gelingt es mir auch über Parteikreise hinaus Interesse und Sympathie für linke Positionen zu gewinnen – und das macht in Wahlkämpfen besonders Spaß.

Mit freundlichen und solidarischen Grüßen
Sabine Leidig


Biografisches in Kürze:

Geboren 1961, aufgewachsen in Mauer bei Heidelberg. Gelebt habe ich von 1979 bis 2010 in Heidelberg (mit Unterbrechung von 6 Jahren in Karlsruhe), dann eine Weile in Berlin und Frankfurt und wohne seit November 2011 zusammen mit meinem Mann in Hanau. Ich habe einen erwachsenen Sohn und ein kleines Enkelkind. 

Zu meinem Erfahrungshintergrund und den politischen Stationen:

Von 1979 bis 1996 arbeitete ich als Biologielaborantin im Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, wo ich zunächst als Jugendvertreterin und später als halbtags freigestellte Personalrätin betriebliche Interessenvertreterin war. In dieser Zeit wirkte ich in Gewerkschaftsgremien (Frauen- und Jugendausschuss der ÖTV) und als Teamerin in der gewerkschaftlichen Bildungs- und Kulturarbeit mit. Selbstverständlich war ich Teil der Friedensbewegung und gegen alte und neue Nazis aktiv. Von 1982 bis 1991 habe ich als Mitglied der DKP Parteierfahrung gesammelt und marxistische Theorie gelernt.
Von 1992 an war ich 10 Jahre lang hauptamtlich beim DGB in Baden-Württemberg. Zunächst als Jugendbildungsreferentin in Nordbaden und dann – von 1996 bis 2002 – als Vorsitzende der DGB-Region Mittelbaden in Karlsruhe. In dieser Zeit arbeitete ich viel zur „Gesundheitsreform“, zu Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, habe Friedens- und Antifa-Bündnisse unterstützt und mich für die Rechte von Flüchtlingen und Migrant_innen engagiert. Außerdem war ich parteiloses Mitglied der AG Betrieb & Gewerkschaft der PDS und beteiligt an der (auch internationalen) Vernetzung der Gewerkschaftlinken.
2002 wurde ich Geschäftsführerin im Bundesbüro von Attac Deutschland.
Neben den organisatorischen Aufgaben beschäftigte ich mich vor allem mit der Kritik des entfesselten (Finanzmarkt-) Kapitalismus, mit öffentliche Gütern, und mit globalen sozialen Rechten. Wichtige Aktivitäten dazu waren: die erste Großemo gegen die Agenda 2010 in Berlin (´03); die Kampagne gegen die Dumpingpolitik von Discounter-Ketten „Lidl ist nicht zu billigen“; die europäischen Proteste gegen die „Bolkestein-Richtlinie“ ; die Unterstützung des französischen „NON“ gegen die marktradikale EU-Verfassung; die Kampagne „Bahn für alle“ gegen Privatisierungskurs und Börsengang der DB; die Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm (2007); die Aktionen „Wir zahlen nicht für eure Krise“ und schließlich der Attac-Kapitalismuskongress im März 09.
Im Herbst 2009 bin ich – nominiert von der hessischen LINKEn - in den Bundestag eingezogen.
Ich bin verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion und Mitglied der Enquête-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zum nachhaltige Wirtschaften…“.
Darüber hinaus arbeite ich in der Projektgruppe „Plan-B“ zum sozial-ökologischen Umbau und im Koordinierungskreis unserer Kontaktstelle soziale Bewegungen.