Achtung! Altenpflege braucht mehr!

„Bericht aus Berlin“ für´s GelnhäuserTagblatt 

8.11. 2017, Sabine Leidig, MdB DIE LINKE

In Deutschland herrscht Pflegenotstand. Immer mehr Menschen können sich gute Pflege nicht leisten, müssen sich verschulden oder geraten wegen der hohen Kosten in die Sozialhilfe. Das ist in einem so reichen Land ein Armutszeugnis. Noch immer übernehmen vor allem Frauen Pflegearbeit. Im Alltag kämpfen sie mit Dauerstress, Erschöpfung und Geldsorgen. Viele müssen ihre Berufstätigkeit einschränken oder aufgeben – Altersarmut ist oft die Folge.

Die Regierungspolitik hat Pflege zu einem Markt gemacht. Private Unternehmen machen Gewinne – auf Kosten der guten Versorgung. In manchen Pflegeheimen werden Menschen nachts am Bett fixiert, weil eine Fachkraft für bis zu 25 Pflegebedürftige verantwortlich ist. Es fehlt die Zeit zum Zuhören, für Zuwendung und Förderung. Viele Beschäftigte macht die Überlastung krank. Niedriglöhne und Teilzeitverträge führen trotz harter Arbeit in die Altersarmut.

Eine Politik, die auf Wettbewerbsdruck und Profite für Wenige setzt, ist mit menschenwürdiger Pflege nicht vereinbar. Wir wollen einen grundlegenden Wandel: Alle Menschen müssen selbst entscheiden können, ob sie zuhause oder wohnortnah von guten Fachkräften gepflegt werden wollen.

Familien und Beschäftigte in der Pflege können entlastet werden – durch eine solidarische Pflegeversicherung, die alle Pflegeleistungen übernimmt. Das ist gut finanzierbar, wenn alle je nach Geldbeutel einzahlen müssen – auch Millionäre, Beamte und Abgeordnete. So können auch mehr Pflegekräfte eingestellt werden, und zusätzliche Kosten (Eigenanteile) für die Menschen mit Pflegebedarf werden abgeschafft.

Die Bundesregierung muss sofort die Weichen für die Einstellung von mindestens 40.000 Pflegefachkräften stellen, damit menschenunwürdige Zustände in vielen Pflegeheimen beendet werden. Und diese wertvolle Arbeit mit Menschen braucht endlich Anerkennung! Gute Löhne für gute Pflege: Der Pflegemindestlohn muss sofort auf 14 Euro erhöht werden. Tarifverträge müssen bundesweit Standard werden. Keine Pflegefachkraft (in Vollzeit) darf weniger als 3.000 Euro verdienen. Ausbildung, Fort- und Weiterbildungen für Pflegekräfte müssen kostenfrei sein. Das muss drin sein in einem reichen Land!

Am 22. November findet ein Aktionstag der Gewerkschaft ver.di statt unter dem Motto „Altenpflege braucht mehr Personal, mehr Zeit, mehr Ausbildung, mehr Anerkennung!“. Gut so – und hoffentlich gibt es viel Unterstützung.