Die neue Solidarität der Völker

 

Buchbeitrag "10 von vielen" zum Jubiläum von Attac-d im Januar 2010
Orientierende Kritik
»Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker«. Dieser Slogan hat mein gesellschaftspolitisches Werden geprägt - vor über 30 Jahren. Und immer habe ich dabei in zwei Richtungen gedacht und gefühlt: Solidarität innerhalb unserer Bevölkerung und internationale Solidarität, die sich bis Ende der 1980er Jahren in Unterstützung von antiimperialistischen Befreiungsbewegungen ausdrückte. Aber auf beiden Strecken war es duster geworden. Mit dem Ende der Systemkonkurrenz war vieles fragwürdig geworden und Hoffnungen gingen verloren - eine bleierne Zeit machte sich breit. Als Attac im Jahr der Jahrtausendwende am bundesdeutschen Firmament aufblinkte, war diese Formation ein wirklicher Hoffnungsstrahl für Leute wie mich, die schon fast das Aussterben der aufgeklärten, radikalen Gesellschaftskritik befürchtet hatten. Bis dahin war die neoliberale Ausrichtung der Weltwirtschaft schon längst im Gange und nach dem Kollaps des Realsozialismus schien die Geschichte in der turbokapitalstischen Schleife gefangen zu sein. In den Gewerkschaften war zwar Protestpotential, aber wenig globales Verständnis; die Sozialdemokratie schickte sich an »den Tiger zu reiten«, links davon war Ebbe, und ein neuer Begriff von internationaler Solidarität fehlte weithin. Für mich war Attac die Gruppierung, die mit ihrer »Kritik der politischen Ökonomie« an die Wurzel griff und eine neue Grundlage für gemeinsame Positionen der Völker im globalen Süden und hier im Norden formulierte. Die weltweiten Machteliten hatten den Begriff »Globalisierung« zu einer Waffe zu geschmiedet, und Bevölkerungen zu Standortkonkurrenten degradiert. Attac stellte fest, dass nicht naturgewaltige Sachzwänge am Werk sind, sondern Regierungen, die (Finanz)Märkte entfesseln und Soziales preisgeben, um Konzerne, Banken und Investmentfonds zu stärken. Dabei kommen rund um den Globus soziale, volkswirtschaftliche und ökologische Entwicklung unter die Räder. Und weil diese Räder vor allem von den Industrienationen angetrieben werden, müssen wir bei uns die Verhältnisse verändern, um solidarisch zu sein.

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LunaLuna - der Mond inspiriert zum Träumen und zu naturwissenschaftlicher Betrachtung...

 

Beitrag für die Zeitschrift »Lunapark21«, September 09
von Sabine Leidig
Mein Traum sind solche gesellschaftlichen Verhältnisse, die es jedem Menschen erlauben, ohne materielle Not und im Einklang mit der Natur seine Fähigkeiten zu entfalten; in denen "... die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller" (1) ist.
Solche Vorstellungen sind keine "linke Spinnerei", sondern sie entspringen dem menschlichen Wesen. Die Erkenntnisse aus den modernen Humanwissenschaften - Gehirnforschung, Epigenetik, Anthropologie - laufen darauf zu. So gehen die Forscher davon aus, dass erst die Vorfahren der Menschen ein soziales Bewusstsein entwickelt haben: Sie begannen vor rund 50.000 Jahren, sich um kranke oder behinderte Stammesmitglieder zu kümmern. Affen dagegen, das scheint gesichert, verfügen nicht über derartige Fähigkeiten. Die Primaten sterben, nachdem sie ihre Zähne verlieren.
Eine Erklärung für die Entwicklung eines sozialen Bewusstseins liefert die Entdeckung der Spiegelneurone. Sie sind verantwortlich dafür, dass Menschen sich spontan verstehen, fühlen, was andere fühlen und sich intuitiv eine Vorstellung davon machen, was andere in etwa denken. Sie melden uns, was Menschen in unserer Nähe fühlen, und lassen uns deren Freude oder Schmerz mitempfinden. Spiegel-Nervenzellen sind die neurobiologische Grundlage emotionaler Intelligenz, von Empathie, Sympathie und sie verleihen uns die Fähigkeit, zu lieben.

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What a truly democratic EU might look like

Pretending that more democracy will automatically make the EU more popular misses the point, says  Sabine Leidig who heads the ATTAC Germany office. She argues that the EU must be made to work for the people if it is ever to achieve real democratic legitimacy:

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Flyer-Text attac zur Krise

 

Die Krise hat erst begonnen

In der Zeitschrift »Lunapark21« schildert Prof. Mike Davis das Überwältigtsein der ersten Entdecker des Grand Canyon, die nicht begreifen konnten, was sie sahen. Es fehlten ihnen die Begriffe, um diese völlig neuartige Landschaft zu beschreiben. Seiner Ansicht nach blicken wir derzeit in einen ebenso unbekannten Abgrund von ökonomischem und sozialem Chaos. »Wir wissen nicht, wie tief die Krise ist und wie tief wir schließlich noch fallen werden«. Und tatsächlich wird seit Monaten hektisch an politischen »Stellschrauben« gedreht. Pakete, Schirme, Spritzen in Milliarden- ja Billionenhöhe werden eingesetzt, doch die Weltwirtschaftskrise rauscht weiter. Sicher wäre es vermessen, vor diesem Hintergrund Patentrezepte auszupacken. Aber selbst die Frankfurter Allgemeine Zeitung attestiert: »Attac hat mit der jahrelangen Kampagne gegen die Zocker an den Finanzmärkten präziser gearbeitet, als die im Bundestag vertretenen Parteien«.

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Attac und die Partei DIE LINKE

 

Beitrag zur kleinen Tagung auf Einladung der Frankfurter Rundschau am 3.12.2005 im Presseclub Frankfurt

Gesellschaftliche Kräfteverhältnisse werden von mehreren Faktoren bestimmt, nicht allein durch die Parteienkonstellation in den Parlamenten. Zwar ist es nicht gleichgültig, wie die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag aussehen, aber eine Fixierung auf diese Ebene führt in die Irre. Politik findet nicht nur im Parlament statt. Das wissen übrigens die Neoliberalen sehr genau, die mit ihren Think Tanks, wie dem IFO-Institut des Herrn Sinn oder der »Initiative neue soziale Marktwirtschaft« mehr Einfluss auf die Rot-Grüne Bundesregierung hatten, als die eigene Wählerbasis.

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Mensch und Umwelt vor Profit

 

Warum die soziale Marktwirtschaft nicht das Ende der Geschichte sein kann

Der unscharfe Begriff »soziale Marktwirtschaft« hat für die meisten Leute in Deutschland noch immer einen guten Klang. Die einen verstehen darunter den Vorrang der freien Märkte, den anderen schwebt ein schützender Sozialsaat vor. Im Kern herrscht die Meinung vor, dass eine prosperierende (das heißt wachsende) kapitalistische Wirtschaft Voraussetzung für materiellen Wohlstand und soziale Sicherheit ist.

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