Protest gegen die schleichende Nachtzug-Abschaffung

Pressemitteilung vom 12.12.2014

Am gestrigen Donnerstag, dem 11.12.2014 fuhr zum letzten Mal der Nachtzug von Berlin nach Paris, bevor die DB AG den Zug trotz guter Auslastung einstellt. An den deutschen Abfahrtsbahnhöfen protestierten jeweils Aktivist_innen gegen das Ende dieses Zuges und die schleichende Einstellung der Nachtzüge generell. Im Berliner Hauptbahnhof gab es eine Kundgebung des Bündnisses Bahn für Alle und anderer Befürworter der Nachtzüge, und Aktionskletterer von Robin Wood seilten sich mit einem Transparent mit der Aufschrift „Nachtzug statt Nachtflug“ ab.

Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, war bei der Aktion in Berlin dabei und fuhr im letzten Nachtzug mit, um an den Protesten in den verschiedenen Städten teilzunehmen. Sie sagte: „Die Nachtzüge müssen bleiben, und das Nachtzugnetz muss wieder deutlich ausgebaut werden. Das Reisen über Nacht stellt die einzige vernünftige Alternative zum Flugverkehr auf längeren Strecken durch Europa dar. Der Nachtzug ist nicht nur ökologisch um ein Vielfaches besser, sondern auch in Hinblick auf den Komfort. Für Menschen, die nicht fliegen können oder dürfen oder die viel Gepäck dabei haben, ist er zudem die einzige Möglichkeit für weite Reisen. Dass der Zug zwischen Berlin und Paris trotz hervorragender Auslastung laut DB defizitär ist, zeugt von der Phantasielosigkeit und dem kurzfristigen Denken des Unternehmens. Die DB sollte die Nachtzüge nicht schlechtrechnen, sondern ein neues, tragfähiges Konzept für den Betrieb entwickeln.“

 

Sabine Leidig wandte sich auch gegen die Preissteigerungen bei der Bahn zum Fahrplanwechsel am Sonntag: „Die DB lobt sich zwar dieses Jahr, dass wenigstens einmal nicht an der Preisspirale drehe, doch das ist Augenwischerei: Tatsächlich erhöht sie die Preise im Nahverkehr um 1,9 Prozent. Über 90 Prozent der Bahnfahrenden sind aber im Nahverkehr unterwegs, und da schlagen die höheren Preise voll zu Buche. Seit 2003 sind die Preise im Nahverkehr um 41 und im Fernverkehr um 39 Prozent gestiegen, das ist eine doppelt so starke Preissteigerung wie die allgemeine Inflation. So wird die Bahn immer mehr zu einem Verkehrsmittel für Besserverdienende statt dem Rückgrat für die Mobilität aller Menschen im Lande. Wir brauchen eine ganz andere Bahnpolitik weg von der Profitorientierung und hin zum Gemeinwohl!“