Besuch der Zeltstadt in Fulda

Im hessischen Fulda wurde von Hilfsdiensten in wenigen Tagen eine Zeltunterkunft als Außenstelle zur hessischen Erstaufnahme in Gießen für 600 Personen errichtet. Als hessische Bundestagsabgeordnete besuchte ich die Zeltstadt und versuchte in Kontakt mit den dort angekommenen Menschen zu kommen.

  

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Mit dabei ist unser Dolmetscher Dr. Naim Wardak, ein Deutscher afghanischer Herkunft, der sechs Sprachen spricht (Mitte), Pia Hainer Kreistagsabgeordnete der Wählergemeinschaft "Die Linke.Offene Liste" und Karin Masche, meine Mitarbeiterin und Stadtverordnete in Fulda.

An einer Ecke sitzt eine verstörte Frau, die Hoffung schöpft als sie von uns auf Arabisch angesprochen wird, sie kommt aus Syrien. Sie sucht ihre Leute, die irgendwo in einem anderen Lager sind, vielleicht in Frankfurt, oder sind sie doch auf der Flucht irgendwo anders aufgetaucht, leben sie noch... ? Wir können ihr nicht helfen. 

Ein Mädchen, vielleicht 9 oder 10 Jahre strahlt uns an, hübsche Kleider hat sie bekommen. Sie hat eine pinkfarbene Wattejacke an und ein beiges sicher auch langärmeliges Oberteil darunter, an den Beinen warme Stiefel mit Fellfutter, Ich stehe vor ihr in meinen Sommersachen. Ich weiß nicht, welche Sprache sie spricht und bedeute, dass sie wohl friert. Sie nickt heftig und strahlt. Sie friert bei um die 20 Grad - verflixt, sie kommt sicher aus einer warmen Weltgegend.

 

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Zwei nette zurückhaltende, verunsicherte Jungs von vielleicht 15, 16 Jahren waren sehr glücklich in ihrer Muttersprache angesprochen zu werden. Sie versuchten zu verstehen was um sie herum vor sich geht. Sie verstehen nicht warum ein Unterschied gemacht wird , je nachdem aus welchem Land die Menschen kommen.

Ja es ist so, bei aller Mühe, die sich Leitung und Helfer geben: Ihr Anliegen ist möglichst schnell die Menschen zu den vorgeschriebenen ärztlichen Untersuchungen zu bringen, damit sie auf die Landkreise und kreisfreien Städte verteilt werden und schnell aus dem Zeltlager herauskommen. Es wird bald Herbst und Winter... Doch da ist es notwendig zuerst die Kriegsflüchtlinge aus Syrien zu erfassen. Ich weiß, obwohl eigentlich noch nicht offizell ist, es gibt interne Dienstanweisungen, bei denen bereits davon ausgegangen wird, dass bei den Menschen aus Syrien die Dublin - Verordnung aufgehoben werden wird, nach der das Asylverfahren in dem Land durchgeführt werden muss in dem sie als erste den Boden der EU betreten.  Das bedeutet, dass eigentlich nur die Syrer von all den Menschen, die über den Landweg nach Deutschland kommen eine Chance haben dauerhaft zu bleiben.  (Die Nachdenkseiten dokumentieren: Beleg für die Beobachtung der Sonderbehandlung: Die Leitlinie für Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration).

Ganz schlechte Karten haben die Menschen vom Balkan: Kosovo und Albanien sollen bald als "sichere Herkunftsländer" gelten. 

Mein Gedanke: wir müssen uns weigern zu sortieren - Wir sind alle Syrer!

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Am Eingangtor zum Zeltlager empfängt uns der Fuldaer Sozialdezernent Bürgermeister Dag Wehner und Herr Liske, Leiter des Amtes für Versorgung. "Herzlich willkommen in unserer Stadt!",  begrüßt mich Fuldas Bürgermeister. Wie oft war ich schon hier, gut dass es nun die Gelegenheit gibt uns näher kennenzulernen.

Ich spüre, bislang hatte er einfach nicht im Blick, dass es auch eine zuständige LINKE Bundestagsabgeordnete für Osthessen gibt.

Nach ein paar einführenden Worten konnten die Stadtverordnete, die Kreistagsabgeordnete und ich den Funktionsbereich der Unterkünfte in Augenschein nehmen. In Begleitung des Bürgermeisters erklärte uns der zuständige Kollege des Deutschen Roten Kreuzes Aufbau und Organisation des Camps. Wir erleben die Warteschlagen an der Essensausgabe im Camp, es gibt Reis mit gefüllter Paprika. Ein Waschzelt ist vorhanden mit 3 Waschmaschinen und 3 Trocknern für die 400 Menschen. Nicht viele Geräte, aber immerhin und die Menschen haben auch nur das, was sie am Leibe tragen, vielleicht -aus den zahlreichen Spenden- etwas zum Wechseln. Daneben ein kleines Zelt mit Waschbecken, wie wir sie aus Jugendherbergen kennen mögen. Vielleicht 12 Waschplätze für die "Katzenwäsche". Es wird einige Zeit morgens dauern hier einen Platz für die Körperwäsche zu ergattern. Dass es auch warmes Wasser gibt, habe ich jetzt nicht gesehen. In einer Reihe aufgestellt vielleicht 20 blaue Dixi-Klos. In der Mitte des ganzen der zentrale Wagen des DRK, bei dem die Spenden ausgegeben werden.

Ein häßlicher Metallzaun, der den Funktionsbereich von den Wohnzelten abgrenzt und den gesamten Wohnbereich umgibt, ist kreativ und ganz einfach als "Netz" für ein Vollyballfeld umgenutzt worden. Mit Straßenmalkreide haben die Leute das Spielfeld auf dem Pflaster des Parkplatzes markiert. Not macht erfinderisch, an einer anderen Stelle dient der Zaun als Wäscheleine.

Wir haben einen sehr guten Eindruck davon, was die Verantwortlichen und die zahlreichen Ehrenamtlichen hier aufgebaut haben und wie sie sich um die Menschen kümmern und sorgen. 

Sehr positiv und konstruktiv verlief das Gespräch mit Bürgermeister Dag Wehner und Herrn Liske, auch mit den beiden Kräften vom DRK

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Als Willkommensgeschenk hatten wir Fußbälle für die Kinder und Jugendlichen dabei. Fair gehandelte Bälle, die garantiert nicht in Kinderarbeit hergestellt wurden. 

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 Auch die Jugendlichen waren begeistert von den Bällen, zusätzlich hatte ich noch eine Kiste Frisbee-Scheiben "Hier ist die Linke" dabei.

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Erwartungsvoll trafen immer mehr Menschen ein, die hofften einen Fußball oder eine Scheibe zu ergattern. Aber ich sehe ein: Für alle reichen die Geschenke nicht.

 

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Den Großteil der Bälle und Frisbee-Scheiben habe ich bei der DRK - Zentrale am Platz abgegeben, ich bin mir sicher, dass so alle Kinder und Jugendlichen in den Genuß der Spielgerät kommen.

 

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Eine Helferin -später als wir schon auf dem Weg zu unserem Wagen sind - meint: Fussbälle sind ja schön und gut, aber die Leute brauchen warme Decken, sie frieren nachts schon so schrecklich .... meine Güte was soll das werden. Die Menschen brauchen ein Dach über dem Kopf!